Marketing zwischen Sichtbarkeit und Manipulation
Mittlerweile kennen Unternehmen ihre Zielgruppe ganz genau. Sie wissen, wo sie sich aufhält, welche Präferenzen sie hat und wie ihr Nutzerverhalten im Detail aussieht. Retargeting macht es möglich, den Kunden kanalübergreifend durch personalisierte Werbung erneut anzusprechen, um den Kunden doch noch zum Kauf zu überzeugen, wenn es im ersten Touchpoint nicht funktioniert hat. Und das klappt super.
Doch ich frage mich mittlerweile, geht es noch darum seine Produkte vorzustellen und sein Unternehmen oder nur noch um Manipulation?
Marketing als Manipulations-Tool
Wir leben in einer Welt von Dauerkonsum. Wo Supermarktregale 20 verschiedene Ketchup Flaschen von 20 verschiedenen Marken im Regal stehen haben. Wo Kunden für ein paar Sekunden Dopaminausstoß kaufen, um sich im Anschluss nach weiteren Produkten umzusehen für einen erneuten Dopaminkick. Konsum wächst. Und zwischen der immer stärkeren Konkurrenz müssen sich immer mehr Marken durchsetzen und neue Strategien entwickeln. Marketing wird zum Manipulationstool.
Natürlich diente Marketing schon immer dazu Kunden zum Kauf zu bewegen. Egal, ob durch die Präsenz der Marke oder des Produktes. Ziel war immer das der Kunde am Ende mein Produkt kauft. Schöne Werbespots, die eine heile Welt vorspielten und geskripted waren, gab es schon immer.Doch mittlerweile kennen wir den Kunden besser, als er sich selbst.
Durch Big Data und seit neuestem auch durch KI, werden ganze Profile vom Kunden erstellt, die jegliche Interaktionen mit dem Produkt oder dem Unternehmen tracken und zwar kanalübergreifend. Von der Website hin zu E-Mails und Social Media Aktivitäten. Bis man jedes noch so kleinste Detail vom Kunden weiss und ihm noch spezifischere Werbung ausspielen kann. Neuromarketing nutzt bewusst diese Profile, um gezielt Kaufentscheidungen im Unterbewusstsein des Kunden auszulösen.
Es werden gezielte Marketingtaktiken, wie Website Design, Ausnutzen von Ängsten, künstliche Verknappung und gefälschten Bewertungen und Testimonials genutzt, um die Kaufentscheidung des Kunden zu beeinflussen. Ohne, dass sich der Kunde darüber bewusst ist, dass er gerade manipuliert wird.
Das Ergebnis:
Es entstehen mittlerweile Unternehmen die Produkte verkaufen, die qualitativ wirklich schlecht sind. Wodurch deutlich wird, dass es nicht mehr um das Produkt sondern um Absatz geht.
Immer mehr Kunden spüren allerdings, dass sie manipuliert werden.
Sie sind unzufrieden, unsicher und wissen nicht mehr welcher Marke sie vertrauen können. Welche Bewertungen und Testimonials sind noch echt? Die Rate von Fehlkäufen wird höher. Noch dazu steigt die Angst vor Identitäts- und Datenklau. Konsum wächst zwar, aber das Vertrauen nimmt stetig ab. Für Unternehmen meiner Meinung nach ein K.O., denn sie werden austauschbar. Sind Kunden nicht zufrieden, wechseln sie schnell zur Konkurrenz. Schlechte Bewertungen folgen. Der Kunde hat keinerlei Verbindung mehr zu den Marken und den Unternehmen und wissen oft nicht einmal wer hinter den Unternehmen steckt.
Der Schrei der Kunden, nach Authentizität wird lauter. Doch auch hierauf, hat die moderne Wirtschaft eine Antwort. Authentische Strategien. Wie wirke ich authentischer?
Klingt gut oder? Doch es geht wieder darum, den Kunden zu manipulieren. Denn Authentizität ist nicht kalkuliert. Keine Strategie. Es ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung sich zu zeigen. Seine Werte, seine Haltung, seine Mission und Vision klar sichtbar zu machen, in jeder Kommunikation. Nicht nur als Unterseite auf einer Website.
Marketing als Sichtbarkeits-Tool und der Weg zu ethischem Marketing
Die aktuellen Gewinner? Unternehmen, die authentisch kommunizieren wer sie sind. Oftmals sind es die, die wenig Ahnung von Marketing, Skalierung und Optimierung haben. Die, die einfach mit Leidenschaft ihr Unternehmen führen und hinter ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung stehen und das nach außen hin zeigen. Echte Geschichten und echte intrinsische Motivation, der Menschen hinter den Unternehmen. Die Vision, dass sie mit ihren Produkten oder ihrem Angebot wirklich etwas bewegen können.
Das baut Vertrauen. Nicht kalkuliert. Echt.
Meiner Meinung nach ist Marketing ein Tool der Sichtbarkeit. Ich habe Unternehmen X und Produkt Y und will beides sichtbar machen. Ich zeige klar, was ich anders mache. Wie ich arbeite, welche Haltung ich habe. Welche Vision. Warum ich mein Produkt als das beste erachte und steche mit Qualität heraus. Der Kunde kann am Ende frei entscheiden, ob er mich und mein Unternehmen gut findet und auch mein Produkt bei mir kaufen will oder doch zu Konkurrenz geht. Geht er zur Konkurrenz, war es einfach nicht mein Kunde.
Vielleicht hat er meine Philosophie oder mein Produkt auch nicht verstanden und hätte dann schlechte Bewertungen geschrieben. Doch den Kunden, um jeden Preis gewinnen? Nein.
Zu idealistisch? Wahrscheinlich. Doch meiner Meinung nach, der bessere und ehrlichere Weg.
Denn nur Kunden, die hinter meinem Unternehmen stehen und das Produkt lieben, supporten mich. Machen mir dadurch Marketing und meine Sichtbarkeit leichter. Wenn ich mir jeden Kunden, nur des Absatz Willens an Land ziehe, laufe ich Gefahr, dass mein Produkt nicht verstanden wird, meine Kunden nicht bleiben und auch keine Fehler verzeihen.
Es ist eine Identifizierung mit dir und deiner Markenidentität.
Meiner Meinung nach sollte Marketing als Sichtbarkeitstool und nicht als Manipulationstool dienen. Mir ist auch bewusst, sieht man Marketing und die technische Entwicklung und das wir unsere Zielgruppe immer besser kennen aus der Absatzbrille, dann ist das super. Wir können Kunden dazu bewegen, zu kaufen. Auch wenn sie vorher noch nicht gewusst haben, dass sie das Produkt benötigt haben. Das ist Neuromarketing und wirklich spannend. Und aus der reinen Marketingbrille einfach wirklich brilliant!
Ich selbst brenne fürs Marketing. Ich habe viele Jahre im Marketing gearbeitet und auch meine Dienstleistungen sind Marketingdienstleistungen. Auch mich fasziniert es Personas zu erstellen. Vor allem, wenn man nur in seiner Marketing-Bubble ist und nicht über den Tellerrand hinaus schaut.
Doch aus der Vogelperspektive ist für mich authentisches und ethisches Marketing einfach nachhaltiger. Echtes Vertrauen und wirklich gute Produktqualität und echte und enge Kundenbeziehung ist für mich einfach effizienter, weil auf lange Sicht Marketing durch den Kunden betrieben wird. Und das auch authentisch und ethisch, weil er das Produkt und Unternehmen aus echter Leidenschaft zu beidem unterstützt und weiterempfiehlt.
Menschen spüren Manipulation. Marketing bedeutet auch Verantwortung. Verantwortung mit potenziellen Kundendaten. Verantwortung mit dem Umgang des Kunden und vor allem Ehrlichkeit. Das Unterbewusstsein der Kunden für Geld zu beeinflussen, ist weder ethisch in Ordnung noch ist es nachhaltig. Denn das zahlt alles auf das Image deines Unternehmens und deiner Marke ein. Du hast im ersten Moment einen Kauf, aber ist der Kunde nicht zufrieden, wird er nie wieder kommen und er wird es auch jedem erzählen.
Lass uns mit Echtheit sichtbar werden
Erzähl den Menschen, wer du wirklich bist, was du anbietest und warum. Zeige ihnen deine Haltung, deine Werte und die Menschen hinter der Marke.
Wenn sich Menschen BEWUSST für deine Marke und dein Produkt entscheiden dann bleiben sie. Sie empfehlen, sie bewerten positiv und sie stehen hinter der Marke und verzeihen auch mal Fehler.
Marketing ist mittlerweile oft mit Manipulation verbunden und negativ behaftet. Lass uns das wieder ändern. Lass uns Marketing wieder positiv nutzen. Das klingt idealistisch, aber es funktioniert bereits. Es gibt Unternehmen, die sich für organisches statt künstliches Wachstum entscheiden. Für Ads, die nicht manipulieren, sondern anbieten. Für Marketing ohne Manipulation. Für Ehrlichkeit.
Für Leidenschaft zu ihrem Produkt.
Bist du bereit, deine Marke aus
deiner Identität heraus kommunizieren?